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ChatGPT, Claude oder Copilot? Welches KI-Werkzeug wofür
ChatGPT, Claude, Microsoft 365 Copilot: Die bekannten KI-Werkzeuge versprechen mehr, als sie im Alltag halten. Worauf es bei der Wahl wirklich ankommt – und wo Ihre Daten tatsächlich landen.
„Welches soll ich denn jetzt nehmen?“ Diese Frage höre ich in letzter Zeit fast jede Woche. Die ehrliche Antwort ist unbequem: Für einen großen Teil der alltäglichen Aufgaben unterscheiden sich die bekannten Werkzeuge weniger, als die Werbung verspricht. Der Unterschied, der im Betrieb wirklich zählt, liegt woanders – nämlich darin, wo das Werkzeug sitzt und womit es arbeiten darf.
Kurz gesagt – für alle, die nur überfliegen
| Werkzeug | Lohnt sich vor allem für | Preis (Einzelzugang) |
|---|---|---|
| Microsoft 365 Copilot | Wer ohnehin in Outlook, Word, Excel und Teams arbeitet | ab 15,60 €/Monat netto (Zusatz zu M365, Aktionspreis im ersten Jahr) |
| ChatGPT | Einstieg ohne Vorkenntnisse, größter Funktionsumfang | rund 23 €/Monat inkl. MwSt. (Plus) |
| Claude | Lange Texte, Dokumentation, Programmieren | 17–20 US-Dollar/Monat zzgl. MwSt. (Pro) |
Der Punkt, der im Betrieb am meisten zählt, steht aber nicht in dieser Tabelle: welchen Zugang Ihre Mitarbeiter benutzen – privat oder geschäftlich. Dazu weiter unten mehr.
Der Unterschied, auf den es ankommt
Die Werkzeuge zerfallen in zwei Gruppen.
Eigenständige Chat-Werkzeuge – ChatGPT, Claude, Gemini – sind ein leeres Fenster. Sie kennen Ihren Betrieb nicht. Was sie bearbeiten sollen, müssen Sie hineinkopieren oder hochladen. Dafür sind sie schnell verfügbar, kosten wenig und funktionieren unabhängig davon, welche Programme Sie sonst einsetzen.
Eingebaute Assistenten – allen voran Microsoft 365 Copilot – sitzen dagegen mitten in Ihrer Arbeitsumgebung. Sie sehen Ihre E-Mails, Ihre Dateien, Ihre Termine, Ihre Teams-Besprechungen. Nichts muss kopiert werden. Dafür setzen sie voraus, dass diese Umgebung überhaupt in Ordnung ist.
Diese zweite Gruppe ist der eigentliche Sprung. Und sie ist auch die, bei der am meisten schiefgehen kann.
Microsoft 365 Copilot
Wofür er sich lohnt: Wenn Ihre Arbeit ohnehin in Outlook, Word, Excel und Teams stattfindet. Eine Besprechung zusammenfassen, an der man nicht teilnehmen konnte. Einen langen E-Mail-Verlauf auf das Wesentliche eindampfen. In einer Excel-Tabelle nach Auffälligkeiten suchen. Ein Angebot auf Grundlage von drei früheren Angeboten entwerfen.
Wo es hakt: Copilot ist nur so gut wie die Ordnung dahinter. Er sieht alles, worauf der jeweilige Mitarbeiter Zugriff hat – auch das, worauf er eigentlich keinen Zugriff haben sollte. In vielen gewachsenen Microsoft-365-Umgebungen sind Berechtigungen über Jahre großzügig vergeben worden, ohne dass es je aufgefallen wäre. Mit Copilot fällt es auf: Plötzlich fasst er auf Nachfrage eine Gehaltsliste zusammen, die in einem falsch freigegebenen Ordner lag.
Das ist kein Fehler von Copilot. Er macht nur sichtbar, was vorher unsichtbar schlecht war.
Preis (Stand 9. Oktober 2026, Angaben von Microsoft, netto): Als Zusatz zu einem bestehenden Microsoft-365-Abonnement 15,60 € je Nutzer und Monat bei Jahresabrechnung – ein Aktionspreis, der laut Microsoft vom 1. Juli bis 31. Dezember 2026 gilt und nur für das erste Jahr bei Jahresabonnement greift (regulär 18,20 €, bei monatlicher Abrechnung 21,84 €). Im Paket kostet Microsoft 365 Business Standard mit Copilot 20,36 €, Business Premium mit Copilot 27,73 € (jeweils jährlich).
ChatGPT
Wofür es sich lohnt: Der Allrounder mit der größten Verbreitung und dem größten Funktionsumfang. Texte entwerfen, Sachverhalte erklären lassen, Bilder erzeugen, Tabellen auswerten, im Web recherchieren. Wenn im Betrieb noch niemand mit KI gearbeitet hat, ist es der unkompliziertste Einstieg – auch weil die meisten Mitarbeiter es privat schon kennen.
Wo es hakt: Genau daran. Wer ChatGPT privat kennt, benutzt es im Zweifel auch privat weiter – mit betrieblichen Inhalten. Dazu weiter unten mehr.
Preis (Stand 9. Oktober 2026): Plus rund 23 € im Monat für einen einzelnen Zugang, die Geschäftsvariante (Business) rund 20 US-Dollar je Nutzer und Monat bei Jahreszahlung, 25 US-Dollar bei monatlicher Zahlung, jeweils zzgl. MwSt. und ab zwei Nutzern. OpenAI nennt die Geschäftspreise in US-Dollar; den Euro-Betrag für Plus sieht man erst im Bestellvorgang.
Claude
Wofür es sich lohnt: Bei langen Texten und beim Programmieren gilt es als besonders stark – ein Vertrag über vierzig Seiten, eine umfangreiche Dokumentation, ein Skript, das jemand vor Jahren geschrieben hat und das niemand mehr versteht. Auch der Schreibstil wird häufig als natürlicher empfunden.
Wo es hakt: Weniger Zusatzfunktionen als ChatGPT, keine Bilderzeugung, geringere Verbreitung. Und ein Punkt, der für deutsche Betriebe zählt: Wer Claude-Modelle innerhalb von Microsoft 365 Copilot nutzt, sollte wissen: Microsoft nimmt sie ausdrücklich von der EU-Datengrenze aus. Für Kunden in der EU sind sie deshalb standardmäßig abgeschaltet und müssen bewusst freigegeben werden.
Preis (Stand 9. Oktober 2026, direkt von Anthropic bestätigt): Pro 17 US-Dollar je Monat bei Jahreszahlung, 20 US-Dollar monatlich. Team (Standard) 20 US-Dollar je Nutzer und Monat bei Jahresabrechnung, 25 US-Dollar monatlich. Die Abrechnung erfolgt in US-Dollar.
Und Gemini?
Googles Assistent ist inzwischen in die Google-Workspace-Tarife eingebaut, ähnlich wie Copilot in Microsoft 365. Für Betriebe, die mit Google Workspace arbeiten, ist er die naheliegende Wahl – aus demselben Grund, aus dem Copilot für Microsoft-Betriebe naheliegt: Er ist schon da und kennt die eigenen Dateien.
In Nordhessen begegnet mir Google Workspace im Mittelstand allerdings selten. Die meisten Betriebe hier arbeiten mit Microsoft.
Der Punkt, den fast alle übersehen
Nicht die Frage „welches Werkzeug ist besser“ entscheidet über Ärger oder Ruhe, sondern welchen Zugang Ihre Mitarbeiter benutzen.
Private und kostenlose Zugänge: Bei OpenAI werden Inhalte aus den Angeboten für Einzelpersonen – also auch aus ChatGPT Free und Plus – standardmäßig zum Trainieren der Modelle verwendet. Man kann das abschalten, aber man muss es aktiv tun. Bei Claude (Free, Pro und Max) ist es ähnlich: Anthropic fragt zwar nach, die Freigabe für das Training ist aber voreingestellt und muss aktiv abgeschaltet werden.
Geschäftliche Zugänge: Bei den Geschäfts- und Unternehmenstarifen von OpenAI und Anthropic (ChatGPT Business, Claude Team und Enterprise) werden Inhalte standardmäßig nicht zum Training verwendet. Microsoft sagt für Microsoft 365 Copilot zu, dass Eingaben, Antworten und abgerufene Daten nicht zum Trainieren der Modelle verwendet werden, dass die Daten im eigenen Microsoft-365-Bereich verbleiben und dass Copilot für Kunden in der EU unter die EU-Datengrenze fällt – mit Ausnahme der Claude-Modelle (siehe oben).
Was das praktisch bedeutet: Der Unterschied zwischen „Mitarbeiter benutzt seinen privaten Gratis-Zugang“ und „Betrieb stellt einen geschäftlichen Zugang“ ist kein Komfortunterschied. Es ist der Unterschied, ob Ihre Kundendaten das Haus verlassen oder nicht.
Wie das im Einzelfall datenschutzrechtlich zu bewerten ist, gehört allerdings in juristische Hände. Ich beschreibe hier, was die Anbieter zusagen – nicht, was das für Ihren konkreten Fall bedeutet.
Was keines der Werkzeuge kann
Sie erfinden Details, wenn sie etwas nicht wissen – überzeugend formuliert und ohne Warnung. Sie kennen Ihre Abläufe nicht, Ihre Kunden nicht und Ihre Preise nicht. Und sie ersetzen keine Prüfung: Was hinausgeht, verantworten weiterhin Sie.
Für gleichbleibende, wiederkehrende Aufgaben sind sie gut. Für Aufgaben, bei denen ein Fehler teuer wird, sind sie ein Entwurfswerkzeug – nicht mehr.
Drei Fragen, die die Entscheidung meist schon beantworten
- Arbeiten Sie überwiegend in Microsoft 365? Dann ist Copilot die naheliegende Prüfung – vorausgesetzt, Ihre Berechtigungen sind in Ordnung. Wenn Sie das nicht sicher wissen, klären Sie es vorher.
- Geht es vor allem um Texte, Recherche und einzelne Auswertungen? Dann reicht ein eigenständiges Werkzeug, und die Wahl zwischen den Anbietern ist zweitrangig. Nehmen Sie das, mit dem Ihre Leute zurechtkommen.
- Sollen betriebliche Inhalte hinein? Dann führt kein Weg an einem geschäftlichen Zugang vorbei, unabhängig vom Anbieter.
Wie ich vorgehen würde
Nicht mit einer Grundsatzentscheidung, sondern mit einem Versuch: eine Aufgabe, die regelmäßig anfällt und bei der ein Fehler nicht wehtut. Zwei bis drei Wochen, zwei bis drei Personen. Danach wissen Sie mehr als aus jedem Vergleich – auch aus diesem.
Wenn Sie überlegen, ob und wo KI in Ihrem Betrieb sinnvoll ist, schauen wir uns das in einem unverbindlichen Erstgespräch gemeinsam an. Ergebnis kann auch sein, dass es sich für Sie derzeit nicht lohnt.
Svetlana Schlee, IT-Schlee – IT-Service & IT-Beratung, Edermünde
Häufige Fragen zu KI-Werkzeugen im Betrieb
Was ist der wichtigste Unterschied zwischen ChatGPT, Claude und Microsoft 365 Copilot?
ChatGPT und Claude sind eigenständige Chat-Werkzeuge, die Ihren Betrieb nicht kennen – Inhalte müssen manuell eingegeben werden. Microsoft 365 Copilot ist dagegen in Outlook, Word, Excel und Teams eingebaut und greift direkt auf vorhandene E-Mails, Dateien und Termine zu.
Ist ChatGPT für mein Unternehmen sicher nutzbar?
Bei den privaten Gratis- und Plus-Zugängen von OpenAI werden Inhalte standardmäßig zum Trainieren der Modelle verwendet, sofern man dies nicht aktiv abschaltet. Bei Geschäfts- und Unternehmenstarifen ist das standardmäßig ausgeschaltet. Für betriebliche Inhalte empfiehlt sich grundsätzlich ein geschäftlicher Zugang.
Was kostet Microsoft 365 Copilot?
Als Zusatz zu einem bestehenden Microsoft-365-Abonnement kostet Copilot laut Microsoft 15,60 € je Nutzer und Monat bei Jahresabrechnung (Aktionspreis im ersten Jahr bei Abschluss bis 31.12.2026, regulär 18,20 €). Stand: 9. Oktober 2026.
Welches KI-Werkzeug ist für kleine Unternehmen am einfachsten einzuführen?
Wer noch keine Erfahrung mit KI hat, kommt mit ChatGPT meist am schnellsten zurecht, da viele Mitarbeiter es bereits privat kennen. Wer bereits intensiv mit Microsoft 365 arbeitet, profitiert oft mehr von Copilot – vorausgesetzt, die Zugriffsrechte sind in Ordnung.
Welches KI-Werkzeug passt zu Ihrem Betrieb?
Im unverbindlichen Erstgespräch schauen wir gemeinsam, wo KI bei Ihnen tatsächlich helfen würde – und mit welchem Zugang Ihre Daten sicher bleiben.
Erstgespräch anfragenKI-Infoabende und Schulungen biete ich gemeinsam mit Partnern im Netzwerk KI-Werk Hessen an – nächster Termin: kostenloser KI-Infoabend am 20. November 2026 in Kassel.
